Reisebericht von Ann-Katrin

Ich habe die Trittsicherheit eines Büromenschen, die Kondition einer Mimose und die Gesundheit einer Multi-Allergikerin.  Aber nach einer Woche Kreta-Wandern mit Jannis habe ich die Trittsichrheit einer Bergziege, die Kondition eines Esels und die Gesundheit eines Schafhirten.

Danke der achtsamen Begleitung von Angela und Jannis, unseren Wanderführern, und der Unterstützung der netten, zufällig zusammen gewürfelten Gruppe habe ich gelernt, das  ungewohnte Terrain zu bewältigen und – vor allem – mehr über mich selbst zu erfahren. Über Stock und Stein ging es, auf alten Ziegenpfaden und verwunschenen Dschungelwegen bergauf und bergab. Der Lohn der Anstrengung: atemberaubende Ausblicke auf das erfrischende Blau des Meeres, auf majestätische Berge und sanfte Olivenhaine. Die Natur nicht als Hindernis, sondern als Lehrerin zu begreifen, den inneren Schweinehund nicht als Feind, sondern als Freund anzusehen – das ist die Erkenntnis von fünf Wanderungen, die abwechslungsreicher nicht sein könnten. Unterwegs gibt es vielfältige Heilung: Kräuter duften, Blüten erfreuen, Früchte laden ein zum Kosten. Und die Luft ist jodhaltig – anregend, zusammen mit dem Rauschen des Meeres ein Erlebnis, das noch lange nachhallen  wird. Das alles in einer Atmosphäre der Nachhaltigkeit, des Innehaltens. Durch Bewegung zur Ruhe kommen. Mit dem äußeren Weg zur inneren Mitte anreisen. Die Wanderführung ist homöopathisch – sanft; es gibt Anregungen, keine Belehrungen; philosophische Exkurse mit Humor und Liebenswürdigkeit; nebenbei ein Griechischkurs, Informationen über Land und Leute, die kretische Flora und Fauna. Abends dann Einkehren in der Lieblingstaverne mit gesunder, einfalls – und abwechslungsreicher Kost. Menschen erzählen von einander, lernen einander besser kennen und gehen ein Stück des Weges gemeinsam – trennen sich als Freunde.

Ann-Katrin aus Seeheim-Jugenheim 

(Ann-Ktrin hat die Wanderwoche  ”Ostern auf  Kreta” im April 2010 in Mochlos mitgemacht)